Sicherheit Teil 5: Seilkommandos


Dieser Beitrag wurde von am 21. Dez 08, 14:47 unter Klettern abgelegt.

Im letzten Beitrag zum Thema Sicherheit (Die 12 (Kletter-) Gebote) haben wir in den Kommentaren über Seilkommandos diskutiert. Ein gutes Thema, das ich direkt aufgreife ;-)

Seilkommandos dienen der Verständigung der Kletterpartner bzw. der Seilschaftsmitglieder. In der Halle oder bei kurzer Entfernung ist eine Verständigung normalerweise kein Problem. Sind die Routen allerdings länger, besteht kein Sichtkontakt oder pfeift einem schlechtes Wetter um die Ohren wird die Verständigung zur Herausforderung. Eine effektive und effiziente Verständigung zwischen den Kletterpartnern erhöht hier die Sicherheit enorm – dies gilt im Übrigen auch in der Halle, wo man zunehmend häufiger beobachten kann, dass sich manche Seilpartner nicht verstehen, sei es akustisch oder inhaltlich…

Bevor ich die Kommandos erläutere, die ein paar Regeln vorneweg, die ich neben den reinen Kommandos als wichtig erachte:

  • Kurze Seilkommandos sind besser als lange!
  • Alle Kletterpartner sollten die Seilkommandos kennen und einheitlich verwenden!
  • Den Namen des Angesprochenen immer mit nennen! Bei mehreren Seilschaften in/an der Wand erhöht sich so die Chance, dass das Kommando auch beim Richtigen ankommt!
  • Unbedingt genau absprechen was passiert, wenn die Verständigung gar nicht mehr klappt, z.B. 3x schnell nacheinander am Seil ziehen bedeutet Stand, Handzeichen etc. – auch Handy ist manchmal möglich ;-)
  • Seilkommandos reduzieren und Verneinungen aufgrund von erhöhter Missverständnisgefahr vermeiden (z.B. “Ich bin noch nicht am Stand”)!

Seilkommandos nach deren Verwendungszusammenhang

Seilkommandos für Seilschaften in Mehrseillängenrouten:

  • “Stand” vom Vorsteiger, wenn er am Standplatz ist, diesen eingerichtet und sich selbst gesichert hat. Der Sichernde kann/soll den Vorsteiger aus der Sicherung nehmen.
  • “Seil ein” vom Nachsteiger, wenn er den Vorsteiger aus der Sicherung genommen hat. Der Vorsteiger kann/soll das Seil einziehen.
  • “Seil aus” vom Nachsteiger, wenn das Seil soweit eingezogen ist, dass es straff ist. Der Vorsteiger braucht nicht weiter einziehen, sondern kann den Nachsteiger in die Kameradensicherung nehmen.
  • “Nachkommen” vom Vorsteiger, wenn er den Nachsteiger in die Sicherung am Stand gekommen hat und nachkommen kann. Bei Dreierseilschaften wird noch die Farbe des Seils angegeben, z.B. “rot nachkommen” heißt, dass der Nachsteiger am roten Seil nachkommen kann/soll. Wichtig: der Nachsteiger muss sich nun darauf verlassen, dass er von oben gesichert ist, denn dieses Kommando bedeutet auch, dass der Nachsteiger seine Selbstsicherung lösen kann/soll.
  • “Ich komme” vom Nachsteiger, wenn der Nachsteiger bereit ist, nachzukommen. Das heißt, alles ist zusammengepackt, Rucksack geschultert und Schuhe an ;-)

Dies waren die Standardkommandos. Daneben gibt es noch Kommandos, die während des eigentlichen Kletterns häufig verwendet werden:

  • “x Meter” vom Sichernden (Nachsteiger), wenn der Vorsteiger noch x Meter Seil zur Verfügung hat [wobei das x durch die verbliebene Seilmeterzahl ersetzt werden sollte ;-) ]. Das bedeutet für den Vorsteiger, dass er in max. x Metern einen Standplatz finden muss. Die x sind situationsabhängig. Befindet man sich in einem Gelände, wo gute Standplätze rar sind, dann finde ich das Kommando bei der Seilmitte, z.B. “30 Meter” schon sinnvoll, daneben finde ich die 10 Meter-Warnungen auch ganz schön…
  • “Seil” vom Vorsteiger, wenn der Vorsteiger etwas mehr Seil braucht.
  • “Seil” vom Nachsteiger, wenn das Seil zu schlaff ist und der Sichernde Vorsteiger das Seil etwas mehr einziehen soll. Dieses Kommando ist weit verbreitet, auch wenn es manchmal zu Missverständnissen führt, da der Nachsteiger manchmal auch gerne einfach etwas mehr Seil hätte. Hier hilft es, sich vorher abzusprechen oder für diesen Fall ein anderes Kommando zu wählen.

(Diese Kommandos können/sollten natürlich auch in der Halle oder im Klettergarten verwendet werden.)

Seilkommandos bei Toprope-Klettern:

  • “Zu” vom Kletterer, wenn der Kletterer signalisieren möchte, dass er gleich stürzt, sich gleich ins Seil setzt oder wenn ihm das Sicherungsseil zu schlaff erscheint. Häufig werden unterschiedliche Kommandos verwendet, z.B. “dicht” oder “ok”. Wobei auch hier anzuraten ist, einheitlich “zu” zu verwenden, weil “ok” auch häufig als “lass mich ab” verwendet wird.
  • “Ab” vom Kletterer, wenn der Kletterer abgelassen werden möchte.

Im Klettergarten kann sich der Kletterer bspw. dazu entscheiden, sich abzuseilen. Dann würde man in Ergänzung obiger Kommandos (“Stand” etc.) noch folgende Kommandos verwenden:

Seilkommandos beim Abseilen:

  • “Achtung Seil” von einer Person am Stand, kurz bevor das Seil nach unten geworfen wird.
  • “Seil frei” von der abseilenden Person, wenn sie angekommen ist und sich selbst aus dem Seil nimmt (und sich u.U. vorher noch selbst gesichert hat). Der Nächste kann/soll abseilen.

Daneben verwenden eingespielte Seilschaften verkürzte Seilkommandos:

  • “Stand” vom Vorsteiger: Er ist angekommen, hat den Stand aufgebaut und gesichert, zieht das Seil ein und nimmt den Nachsteiger in die Sicherung.
  • “Nachkommen” vom Vorsteiger: Der Nachsteiger ist gesichert und kann/soll den Stand abbauen und nachkommen.

Mehr dazu gibt es im Standardwerk für Sicherheit beim Klettern und Bergsteigen von Pit Schubert!

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