Eisklettern in Island: Ankunft in Kaldakinn


Dieser Beitrag wurde von am 10. Feb 09, 23:45 unter Expedition & Klettern abgelegt.

Heute Morgen sind wir voller Vorfreude aufgebrochen: Wir fahren nach Kaldakinn. Endlich! Allerorten haben wir von Kaldakinn nur das Beste gehört. Michael hatte im Vorfeld einige Informationen zusammengetragen, aber so richtig vorstellen konnten wir uns dieses Klettergebiet nicht. Eine gute Informationsbasis waren die Expeditionsberichte von Ines Papert und Albert Leichtfried.

Da wir heute wieder unbedingt klettern wollen, sind wir wieder lange vor Sonnenaufgang aufgebrochen. Dementsprechend war auch die Landschaft wieder in die unglaublichen Farben gehüllt, wie wir sie schon in den Tagen zuvor erfahren durften. Wir kamen um die Mittagszeit in Kaldakinn im fast äußersten Norden Islands auf der Farm Björk an. Es lief also alles nach Plan. Schon jetzt bot sich uns ein unglaublicher Anblick: riesige Eisfälle in Reih’ und Glied, einer schöner als der andere und das so weit die Augen blicken konnten!!!

Bevor wir auf die Eisfälle losgehen konnten, wurden wir von Peter dem Besitzer der Farm empfangen. Wir waren zwar angemeldet, aber er wusste nicht genau, ob wir tatsächlich kommen würden. Er führte uns in ein Nebenhaus der Farm, wo wir für “Kletterverhältnisse”  ziemlich luxuriös wohnen, relaxen und schlafen konnten.

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Auf dem Weg vom Haupthaus zu unserer Wohnstätte stellt sich heraus, dass unser 4×4-”Geländewagen” eher ein Spielzeugauto ist. Er hatte uns zwar bis hierher gute Dienste geleistet, doch diesen extremen Bedingungen hier vermochte er nicht mehr zu trotzen. Wir bleiben auf dem Hof von Peter auf den paar Metern zu unserem Haus einfach in einer Schneeverwehung stecken. Peter ist sofort mit einem alten Landrover zur Stelle. Nachdem das erste Seil (das eigentlich für seine Bullen verwendet wurde) gerissen ist, schafften wir er es doch noch, unseren Wagen wieder Richtung Haupthaus zu ziehen.

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Da wir gleich klettern wollen, beschäftigen wir uns nicht weiter mit Auspacken oder Preisverhandlungen für Unterkunft und Essen, sondern ziehen direkt los. Peter, der unglaublich nett, witzig und herzlich ist, leiht uns seinen Landrover Defender, der sich als wahre Arbeitsmaschine herausstellte. Mit seiner Hilfe konnten wir uns durch alle Schneeverwehungen und einige Bäche wühlen – auch wenn wir häufig einige Anläufe brauchten ;-)

Michael und ich haben uns für eine Route entschlossen, die sich fast durchweg senkrecht nach oben zieht. Sie ist noch auf keiner Topo verzeichnet und auch Peter hat sie in seinen Aufzeichnungen bis dato als noch nicht geklettert markiert. Wir schätzen sie als WI 5 ein und Michael trägt sie in Peters Topo mit dem Namen “Gully” (2 SL, 120m) ein.

Gunter und Waldemar klettern einige Fälle weiter rechts. Auch diese Route ist noch nirgends verzeichnet. Allerdings verdrehte sich Waldemar auf der ersten Seillänge das Knie, so dass sich beide vom ersten Stand wieder abseilten.

Hier ein kurzer Film (etwa 1 min), der den “Gully” sowie Gunter und Waldemar auf dem Weg zur ihrem Eisfall zeigt. Man kann die Kälte zwar nicht fühlen, aber zumindest den Wind hören, der direkt von der Antarktis zu uns rüber blies.

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Als ich mich von unserer Route abgeseilt habe, ging gerade der Mond auf. Leider war aufgrund der Kälte der Akku meiner Digitalkamera leer, aber Michas kleine Nikon konnte diesen tollen Anblick gut festhalten.

Der erste (halbe) Tag in Kaldakinn war gigantisch. Wir freuen uns, dass wir auf unserem Island-Trip den Schwerpunkt auf Kaldakinn gelegt haben und hier noch die ganze Woche eisklettern können!

Sorry wegen der vielen Bilder, aber es fiel mir wirklich schon schwer, mich für diese 35 zu entscheiden ;-)

BTW: Zum Abendessen gab es die leckersten Frikadellen, die ich jemals gegessen habe und das auch noch in einer Riesenportion, die wir – trotz unseres riesigen Hungers – nicht mal zur Hälfte schafften!

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4 Kommentare zu “Eisklettern in Island: Ankunft in Kaldakinn”

  1. Noah am 18. Feb 2009 um 19:43 #

    Ich verfolge deine Reiseberichte mit Spannung und freue mich für dich!
    Viel Freude wünsche ich dir noch

  2. Finn am 18. Feb 2009 um 23:49 #

    Beneidenswert schön Bilder und tolle Berichte. Da lohnt sich das frieren im Gegensatz zu hier in Deutschland… :-)

  3. Marco am 21. Feb 2009 um 06:44 #

    @Noah: Danke! Leider ist es schon vorbei und ich bin jetzt wieder da. Aber Berichte der letzten Tage folgen…

    @Finn: Stimmt genau. Wirklich sehr schön dort und wir haben nur am allerletzten Tag zwei schottische Eiskletterer getroffen, soll heißen, dass man Schlangestehen dort nicht kennt ;-)

  4. expekt am 10. Mai 2010 um 22:15 #

    It’s always pleasure to read your posts, will back here soon

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