Eisklettern in Kaldakinn


Dieser Beitrag wurde von am 11. Feb 09, 23:33 unter Expedition & Klettern abgelegt.

Da wir auf Peters Farm direkt vor den Eisfällen in Kaldakinn wohnen, können wir heute direkt durchstarten. Waldemar hatte sich am Vortag leider etwas das Knie verdreht, so dass er heute pausieren möchte. Nach einem ausgiebigen Frühstück ziehen wir also zu dritt mit Peters Defender los und schauen uns die Eisfälle an.

Wir entscheiden uns für Upprisa Svínanna (150m, 3 SL, WI 4+). Der Eisfall steht zwar nicht so gut da wie wir ihn in der Topo sehen, aber wir denken, dass die fast senkrechte Eiswand heute machbar ist. Der Zustieg ist zwar wieder Mal anstrengend, aber im tiefen kalten Schnee und mit dem sich anbahnenden Sonnenaufgang ein wahrer Genuss. Nach einem wärmenden Tee geht’s los: Micha steigt vor, Gunter und ich folgen.

Wir bemerken schnell, dass die Bewertung WI 4+ sehr optimistisch ist. Der Fall kommt uns sehr schwer vor, daher brauchen wir unsere Zeit bis wir alle drei nach etwa 1 ½ Stunden am ersten Stand sind.

Die zweite Seillänge beginnt mit einer eiskalten Dusche, die über etwa 25 m anhält. Zuerst sind wir nass und dann, da es sehr kalt ist, von oben bis unten mit einer Eisglasur überzogen. Einzig die Handschuhe sind nicht eingefroren, sondern nur nass und dafür eiskalt. Gerade heute habe ich meine Daunenhandschuhe nicht dabei, die jetzt im Stand Gold wert wären :-/

Zur Herausforderung wird das Handling unseres Materials: Die von Micha gesetzten Eisschrauben sind mittlerweile unter einer Eisschicht im Eisfall eingefroren, so dass Gunter und ich sie vorsichtig freipickeln müssen. Auch die Karabiner, die an unseren Gurten hängen, sind durch das Wasser, das uns eine Weile besprenkelt hatte, zugefroren und lassen sich nur noch mit roher Gewalt öffnen. Selbstverständlich sind mittlerweile auch das Seil sowie Reepschnüre und Bandschlingen steif gefroren.

Micha hält die Situation am zweiten Standplatz plastisch in einem Video fest:

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Als Gunter und ich am 2. Standplatz ankommen sehen wir weit unter uns Waldemar wie er „fröhlich” in der Sonne einen Spaziergang zum Strand macht. Mittlerweile sind wir schon über 3 Stunden unterwegs. Wie wir ihn in diesem Moment beneiden!

Die dritte Seillänge steigt wiederum Micha vor. Das Eis ist in dieser Seillänge steinhart, so dass er unglaublich viel Kraft aufwenden muss, dass die Eisgeräte halt finden. Gunter steigt nach und ich erspare mir diese Seillänge. Die letzten Klettertage haben einfach zu viel Kraft gekostet.

Als wir nach dem Abseilen und knapp 6 Stunden wieder an unseren Rucksäcken ankommen, freuen wir uns über den herrlich warmen Tee und das Vesper, das uns Waldemar am Morgen mitgegeben hat.

Später erfahren wir von Peters Tochter, dass es an diesem Tag in Myvatn, das ist ca. 60 km von Kaldakinn entfernt, -20° Grad gemessen wurden – kein Wunder also, dass es uns etwas „schattig” vor kam ;-)

BTW: Heute gab es zum Abendessen zum ersten Mal seit wir in Island sind kein Lammfleisch, sondern leckeren Fisch in einer Sahne-Käse-Auflaufvariation; wunderbar nach einem solchen Tag! Wie immer schafften wir nicht mal die Hälfte…

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