“Ego heil…”


Dieser Beitrag wurde von am 26. Sep 08, 15:02 unter Allgemein abgelegt.

…so titelt Wieland Elfferding in einem Beitrag in der neuen Ausgabe “Freitag” (39).

Der Beitrag spricht viele wunde Punkte an, die zum Teil erst schwach als Tendenzen des Bergsports wahrnehmbar sind, aber zum Teil auch bereits wahrgenommen wurden und an verschiedenen Stellen heftig diskutiert werden.

Manche Gedanken von Elfferding sind sicherlich streitbar, vielleicht ist der Beitrag aber auch gerade deshalb sehr lesenswürdig. Dazu sollte man sich allerdings eine Viertelstunde Ruhe gönnen, da man (zumindest ich) die Inhalte mit dem üblichen Internetleseverhalten/Drüberfliegen kaum erfassen kann…

Leider ist beim Artikel von Elfferding keine Kommentarfunktion freigeschaltet, daher könnt ihr gerne bei mir kommentieren ;-)

Hier gehts zum Beitrag.

Meine Highlights sind:

Der Bergmediziner muss mit und gelangt zu Ruhm, weil er die Körperfunktionen in der Todeszone zu überwachen versteht, wie später die extremen Mountainbiker sich mehr mit Blutdruck und Laktatwerten beschäftigen als mit dem Vorkommen von Edelweiß oder Deutschem Enzian.

Die Wende in der Beschäftigung mit dem Berg, die letztlich auch in der Halle stattfinden kann, korrespondiert mit den diversen Psycho- und Fitnesswellen, welche die Sehnsucht nach dem unsterblichen Körper – und analog nach endlos verfügbarer Natur – zum Massenthema gemacht haben [...] Noch bevor irgendein Muskel durch hartes Training anschwillt, umschmeicheln ihn schon hauchdünne Kunsthäute [...] Die Menschen stürzen aus der Gondel und betreten mit ihren Turnschuhen den Gletscher, als seien sie im Squashcenter.

Der klassische Berggeher hatte viele Jahre Versenkung in ein singuläres Territorium hinter sich: Routenstudium, Beschäftigung mit den Vorgängern, mehrfache Anläufe und Rückzüge, Bekanntschaft mit den unverwechselbaren Gesichtszügen des Bergs, mit seinem Wetter – alle großen Berge haben ihr eigenes Wetter -, seinem Gestein, seiner Gliederung in mögliche Etappen. Der postmoderne Bergsteiger wählt eine Unternehmung wie ein Angebot aus einem Warenhauskatalog.

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4 Kommentare zu ““Ego heil…””

  1. Noah K. am 26. Sep 2008 um 16:28 #

    … und das spiegelt sich auch im Umgang miteinander wider. Je voller ein Berg, desto anonymer geht es zu, reservierter, manchmal respektloser.

    Aufhalten kann man das sicher nicht, nur (wenn man es denn möchte) selbst anders machen – oder fliehen, in Regionen und Touren, die noch einsam sind.

  2. Marco am 27. Sep 2008 um 22:07 #

    Fliehen ist eine gute Lösung, die ich auch schätzen gelernt habe. Ich stelle immer wieder fest, dass auf Touren erstaunlich wenig los ist, bei denen keine Bahn in der Nähe ist oder der Zustieg lange dauert ;-)

  3. Oli am 02. Okt 2008 um 09:14 #

    Was soll uns der Artikel von Wieland Elfferding sagen – eine persönliche Interpretation

    1. These: Wieland Elfferding ist der eigentliche egoist!
    Annahme: Wieland Elfferding interessiert sich für Berge, andernfalls hätte er sich nicht die Mühe gemacht die 200 jährige Geschichte des Bergsteigens zu recherchieren.
    Mit seiner Generalabrechnung gegen Bergsteigen in jeglicher Form verfolgt er das Ziel möglichst viele von uns aus den Bergen zu vertreiben, damit er die Berge in Zukunft für sich alleine hat.

    2. These: Wieland Elfferding hat keine Ahnung wovon er spricht!
    Annahme: Wieland Elfferding war selber niemals in den Bergen, hat noch nie einen Gipfel erklommen oder eine Wand durchstiegen.
    Ich komme darauf nicht nur weil er in Berlin lebt wo bekanntermaßen kein Berg existiert. Wir lesen von “… jungen Wilden …”, “… Familienväter in rot-weiß-kariertem Hemd und Loden(, die) den Umkreis “ihrer” Schutzhütte als Schauplatz für sekundäre Pionier- und Heldentaten entdeckten …” und “… frustrierten Haschrebellen …”. Von den Wanderern, Bergsteigern und Kletterern die ich in den letzten 30 Jahren in den Bergen getroffen, hat keiner den beschriebenen Bildern entsprochen.

    3. These: Wieland Elfferding will den Bergsteigern eigentlich an den Kragen!
    Da der Sport in den Bergen ja scheinbar zu gefährlich ist und der Mensch auch nicht Autofahren sollte kann das überleben nur gesichert werden wenn wir zu hausen bleiben oder ungefährliche Sportarten betrieben. Wie wäre es mit kegeln? Vorsicht das ist ein trugschluss, denn im Haushalt passieren immer noch die meisten Unfälle und beim Kegeln sterben die meisten Menschen – Nicht an herumfliegenden Kugeln, sondern an Herz-Kreislauf-Versagen: “Viele Kegler sind übergewichtig, rauchen und sind alkoholisiert.” (http://www.handelsblatt.com/unternehmen/koepfe/von-mutigen-adlern-und-anderen-wesen;2030696;0)

    In diesem Sinne – viel Spaß bei der nächsten Tour und immer schön an die Redundanz denken!

  4. Marco am 15. Okt 2008 um 11:37 #

    Sehr schön!

    Meine persönliche These ist: Elfferding will provozieren. Ob seine Gründe persönlicher (egoistischer) Natur sind oder er damit ein “höheres” Ziel (welches auch immer) verfolgt kann ich nur mutmaßen. Ich denke (mutmaße), dass es ein bisschen von beidem ist ;-)

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